20. Juni 2014

LIEBLINGSCURRY

Nicht ganz reife Ananas aus meinem Garten
Ich könnte jetzt
ganz böse empfehlen: «kauft in Europa für diese Zubereitung einfach eine ganz normale Ananas aus dem Supermarkt, denn von dort sind sie sowieso nie reif geerntet worden und deshalb eher säuerlich, was für dieses Rezept genau richtig ist!»

Da ich jedoch
kein böser Mensch bin, sage ich: «für diese Zubereitung sollte die Ananas nicht ganz reif sein, denn der säuerliche Geschmack ist für dieses Rezept unbedingt erforderlich!»

Es geht hier
um ein typisches, südthailändisches Garnelengericht, eines dieser traditionellen, säuerlichen gelben Currys. Mal mit, mal ohne Kokosmilch zubereitet, jedoch meistens blitzscharf.
So scharf, dass sich mir – als durchaus Chili-Erprobter – lodernde Flammen wie Laser durch die Schleimhäute bohren und als Tornado über die Nervenstränge ins Hirn fahren, bis alle guten Geister aus dem Kopf rasen, und mich tränenüberströmt und nach Atem ringend zurücklassen*.

Ich bevorzuge
bei dieser Zubereitung allerdings eine moderate Schärfe, die ausgezeichnet mit der Säure und der bereits leichten Süsse der noch nicht ganz reifen Ananas harmoniert. Eines meiner absoluten Lieblings-Currys!


CREVETTEN-CURRY MIT ANANAS

Gäng khuaa guung gap sabparod
authentisches Thai-Gericht, aber nicht ganz so scharf, wie üblicherweise zubereitet
2 Portionen, bei mehreren Personen mit weiteren Thai-Gerichten servieren

Einkaufsliste zum Ausdrucken

1 nicht ganz reife Ananas, ca. 700 g [FEL!X: natürlich aus meinem Garten!]
     achteln, die faserigen Längsachsen wegschneiden. Fruchtfleisch als ganzes Stück von der Schale und schliesslich in Scheiben schneiden. Ergibt etwa 300 g Fruchtfleisch.

So ist das Schälen und Schneiden im Nu erledigt!
250 ml Kokosmilch
3/4–1 EL Curry-Paste «gäng khuaa» (oder rote Curry-Paste) 

1/2 TL Kurkumapulver 
     50 ml Kokosmilch bei mittlerer Hitze fast völlig einkochen, siehe Tipp. Paste und Kurkuma beigeben, dünsten, bis sie zu duften beginnen.
     Restliche Kokosmilch samt den Ananas-Stücken dazugeben, aufkochen. 3–4 Minuten sanft köcheln lassen, die Ananas-Stücke dürfen nicht zu weich werden.

1–1,5 EL Tamarindenkonzentrat (Menge je nach Produkt)
1 EL Palmzuckersirup (oder 2 TL Zucker)

wenig Fischsauce 

     abschmecken. Der Geschmack sollte zuerst als sauer, dann süss und schliesslich salzig empfunden werden.

200 g Crevetten «Tail-on», ca. 14–16 Stück

2–3 Limettenblätter, in Stücken 

     beigeben, Hitze leicht erhöhen, nur solange köcheln lassen, bis die Crevetten eine orange Farbe erhalten.

Mit Jasminreis und – bei mehreren Personen – mit weiteren Thai-Gerichten servieren.

ziemlich scharf  Die Schärfe hängt von Art und Menge der verwendeten Curry-Paste ab!

Tipp: Basis für jedes Kokos-Curry ist das Einkochen von etwas Kokosmilch, und zwar so lange, bis fast nur noch die fetthaltigen Bestandteile übrig bleiben. Darin wird die Curry-Paste angedünstet. Erst jetzt kommt die eigentlich erforderliche Menge Kokosmilch dazu.
Dies macht ein Kokos-Curry besonders cremig. Wenn sich zum Schluss auf der Oberfläche ein leichter Ölfilm bildet, ist dies das Zeichen, dass alles richtig gemacht wurde!


* A propos blitzscharf: 
In einem Restaurant, in dem ausschliesslich authentische, nicht den Touristen angepasste Gerichte serviert werden, kann ich es mir jeweils nicht verkneifen, «muu ma-nao», ein wirklich sehr scharfes Gericht, das ich heiss liebe, zu bestellen. 
Als Folge quellen mir beim Essen dicke Tränen aus den Augen und meine Nasenflügel beben.
Ein kleines Mädchen vom Nachbartisch sieht dies, sagt etwas zu ihrer Mutter, worauf die ganze Runde wie auf Kommando zu mir herüber sieht und lacht. Auf meinen fragenden Blick erklärt mir die Mutter, was ihre Tochter gefragt hat, nämlich «Mama, warum weint dieser Mann?»



Kommentare:

  1. Das Mu Manao in jenem Restaurant würde ich gerne versuchen, um zu sehn, ob es mich auch zum Weinen bringen würde. Ich behaupte oft, ich könne scharf essen. Okay, ab und an gibt's wegen der Schärfe auch bei mir den Hitzgi (Schluckauf).
    Dein Curry sieht fantast!sch aus! Danke für den Tip für die Gati.

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    1. Ich zähle mich eigentlich auch zu den Scharfessern, aber dieses muu ma-nao hat es wirklich in sich! Mit Chilis aussortieren ist nichts: die sind als Paste, mit Limettensaft und Zucker zerstossen, über dem Fleisch. Viiiel Reis nötig!

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  2. Allen, die jetzt am liebsten kommentieren möchten «man schmeckt ja gar nichts mehr, wenn etwas so scharf ist» kann ich eine Blamage ersparen: es ist nämlich ganz und gar nicht so. Vielmehr gibt es einfach Leute, die wenig oder gar keine Schärfe vertragen (das ist ja schliesslich keine Schande), und dieses «nichts-mehr-schmecken» gerne als Ausrede benutzen.
    Eine Art steuern kann man die Schärfe, indem man einfach wenig von diesem «Hot Stuff» mit etwas mehr Reis isst.
    Übrigens sind Chilis und Gewürze nicht nur Aromastoffe, sondern sie vermögen auch die Verträglichkeit des heissen Klimas in den Tropen positiv zu beeinflussen.

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  3. An Schärfe beim Essen kann man sich auch nach und nach gewöhnen. Ich brauchte eine Weile, bis ich das scharfe Essen in Tunesien gemocht und vertragen habe. Danach habe ich so wie die anderen auch, scharfe Peperoni schon zum Frühstück gegessen ;-)
    Danke für deinen Hinweis mit dem Einkochen der Kokos-Milch, jetzt weiss ich auch, warum das Curry bei mir bisher nicht so cremig geworden ist.

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    1. Ich verrate euch doch gerne alle meine Tricks!
      Wobei das mit dem Einkochen der Kokosmilch natürlich nicht von mir stammt: es wird in der klassischen «Royal Thai Cuisine» so gemacht. Aber nicht einmal alle Thais wissen das.
      Auf den asiatischen Märkten gibt es ausserdem zwei Arten von Kokosmilch: die dickere, reichhaltigere «1. Pressung» und die etwas dünnere «2. Pressung». Damit kann man die Konsistenz ebenfalls beeinflussen, was natürlich mit Produkten aus dem Tetrapak nicht geht. Allenfalls einen Teil der Milch als «Cream of Coconut» (aus der Dose) verwenden, oder eine etwas konzentriertere Kokosmilch aus gefriergetrocknetem Kokosmilch-Pulver anrühren: 2 EL Pulver (=30 ml) auf 100 ml heisses Wasser = dickere Milch, 1,25 EL = dünnere Milch.
      Alles klar?!!

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  4. Was Du so alles weißt Felix, ich bin ja leider kein Gourmet, jedoch liebe ich Deine Menuevorstellungen sehr und ich bemühe mich auch sehr einiges nachzuzaubern

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    1. Selbst wenn es dich lediglich inspiriert freut mich das, liebe Brigitte!
      Danke für dein Kompliment,
      FEL!X

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