23. September 2014

GIN JEE?

«Temporäre» Priester segnen Menschen, Häuser, Hab und Gut

In diesen Tagen
beginnt das «Vegetarian Festival», ein religiöses Fest in Thailand. Es findet alljährlich an den ersten neun Tagen des neunten Monats im chinesischen Kalender statt. Dem Glauben nach soll es der Stärkung der Gesundheit und dem Frieden des Geistes dienen. Während diesen Tagen finden farbenfrohe Prozessionen durch die Strassen statt, Häuser werden gesegnet und böse Geister mit ohrenbetäubendem Feuerwerk vertrieben.

Je mehr und je lauter, umso besser: so werden böse Geister vertrieben!

Die ganz Eifrigen
leben während dieser Zeit nicht nur streng vegetarisch, sondern verzichten auch auf bestimmte Zutaten wie Knoblauch, Zwiebeln, berauschende oder anregende Stoffe, Sex usw., und kleiden sich ausschliesslich in Weiss. Bei den chinesischen Tempeln gibt es dutzende von Ess-Ständen, denn das Kochen der Gerichte ist schon fast eine Wissenschaft und zu aufwändig, als dass man sie selbst zubereiten würde. Es gibt nämlich alles als «vegetarische Imitation»: Fleisch, Fisch, sogar Crevetten und eine Art Schweinsfüsse. Sehr spassig anzusehen und erst noch köstlich!

Ein vor dem Haus aufgestellter Altar mit Opfergaben

«Gin jee?»
(sprich: ginn dschee) wird gefragt, wenn man Weiss trägt und in einem Restaurant essen will: «Essen Sie vegetarisch?».

In den Tempeln
finden Zeremonien statt, Fire Walking, Leute die sich in Trance versetzen, Körpermodifikationen wie dem Durchstechen der Wangen mit spitzen Gegenständen. Und natürlich immer wieder Feuerwerk, es knallt an allen Ecken und Enden!

Ein chinesischer Schrein wird unter ohrenbetäubenden Explosionen
von tausenden Crackers schaukelnd durch die Strassen getragen.
Die Träger werden viertelstündlich abgelöst!

In Alt-Takuapa
ganz in meiner Nähe, gibt es gegen Ende des Festivals den 9-Baht-Abend. Da «kauft» man sich für den symbolischen Betrag von 9 Baht (25 Rappen / 0.20 Euro) eine Schüssel samt Löffel und Essstäbchen. Damit kann man an den Ständen, die sich in der Stadt aneinander reihen, essen so viel man mag. Ein Teil dieser Stände wird von den Hotels hier betrieben, die ihre besten Spezialitäten präsentieren. Die Vielfalt ist überwältigend und man muss gleich zu Beginn einteilen, damit man von möglichst Vielem probieren kann. Alles streng vegetarisch und alles für gerade mal 9 Baht!

Mein vegetarisches Rezept
geht nicht ganz konform mit den strengen Vorgaben des «Vegetarian Festivals» (Schalotten, Frühlingszwiebelchen), aber zu diesem authentischen Pilz-Rezept – welches ganz und gar ohne Fettstoffe auskommt! – gehören sie nun halt einmal...


Würziger Pilzsalat Thai Style

yam hed yaang
authentisches Thai-Gericht
2 Portionen, bei mehreren Personen mit weiteren Thai-Gerichten servieren

Einkaufsliste zum Ausdrucken

2–3 ganze, getrocknete Chilischoten
Getrocknete Chilischoten über einer 
Flamme leicht rösten
     über einer Flamme leicht rösten. Samt den Kernen (Schärfe!) oder ohne, im Mörser zerreiben
(= ca. 1 TL).

1 EL Sojasauce
1 EL Limettensaft (Limettenpresse!)

1/2 EL Palmzuckersirup (oder 1 TL Zucker)
     dazugeben, mischen.

125 g Reisstrohpilze «Hed faang», frisch (oder geschlossene Champignons)
100 g Kräuterseitlinge (oder kleine Shiitake Pilze)
     mit Küchenpapier abreiben, ganz lassen.
Reisstrohpilze «hed faang»,
Austernseitlinge
     In einer beschichteten Pfanne (am besten geht’s natürlich in einem Wok!) auf mittlerem Feuer und OHNE FETT leicht braten (= yaang), damit sie Feuchtigkeit verlieren, durch und durch heiss werden, aber höchstens leicht bräunen, was etwa 15 Minuten dauert.
     Leicht abkühlen lassen. Reisstrohpilze (oder Champignons, Shiitake) vierteln, Kräuterseitlinge schräg in Scheiben schneiden, mit der Sauce mischen.

50 g Cherrytomaten, in Scheibchen
1 Schalotte, in Lamellen
2 Frühlingszwiebelchen, schräg fein geschnitten

1 Hand voll Pfefferminzblättchen, in Steifen oder zerzupft
1/2 EL Khaao Khuaa (gerösteter, zerstossener Reis, siehe hier!)
     zu den Pilzen geben, mischen. Sofort servieren.

In Thailand werden Salate dieser Art stets mit Reis gegessen.

nicht halb so scharf, wie man vermuten könnte!

Tipp: Es eignen sich auch andere Pilze, wie zum Beispiel Champignons. Sie sollten einfach fest geschlossene Hüte haben, sonst zerfleddern sie beim Braten.

Auch wer es nicht so scharf möchte, sollte die Sache mit den gerösteten Chilis versuchen: Schoten nach dem Rösten erkalten lassen, Samen entfernen und den Rest mörsern. Das Röstaroma macht – nicht nur bei dieser Zubereitung – ganz schön was her!

Bildquelle: Phuket Vegetarian Festival




Kommentare:

  1. Ich habe Gin gelesen ... und war gleich Feuer und Flamme, aber dann gab's doch nichts zu trinken ;-)
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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    1. Shame on you! No booze during the Vegetarian Vestival!!!
      Gin = essen, sprich ginn (nicht Tschinn!!!)
      FEL!X ;o)

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  2. Schön zu lesen und aufschlussreich Dein Bericht über das Vegetarian Festival. Fühl mich mittendrin in dieser bunten Gesellschaft.
    Der Salat sieht gar köstlich aus; ach würd doch nur ein Mainzelmann vorbeikommen und mir gredenzen.
    Lieben Gruss

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    1. Aber das Salätlein ist doch gar schnell gemacht! Da kommen sogar die Heinzelwichte zu spät... ;o)

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    2. Ja diese thailändischen Heinelwichte kommen sehr wahrscheinlich zu spät, jedoch diese deutschen Meinzelmännchen kommen noch bevor Du den Salat überhaupt gewaschen hast. ..

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  3. Lieber Felix, ich muss mich leider auch outen - mir ging es wie Andy ;-)
    Dafür habe ich aber mit Interesse deinen Post über das Festival gelesen, ob mit oder ohne Allolol....

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    1. Eben: es geht ja auch mal ohne!
      Aber der nächste Cocktail kommt demnächst, und zwar mal etwas fruchtig-frisches!

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  4. Danke für das Rezept. Hed yaang kennt Miao natürlich, für Nam Prik, aber eben nicht für Salat. Die getrockneten Chili röstete ich noch nie, werde ich aber machen, mal sehen was es bringt.
    Den Titel verstand ich nicht, vermutlich ein Tippfehler, erst beim Lesen fiel der Groschen. Man könnte schreiben "Kin Jay" falls englisch ausgesprochen, oder "Gin Dschee" deutsch ausgesprochen. Das Y ist nie ein dsch oder ch oder j.

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    1. Ja, Erich, du hast natürlich Recht mit dem Y. Jay wird es in Englisch geschrieben, dein «dschee» auf Deutsch kommt vermutlich am nächsten, hab's zuerst auch so geschrieben, fand es dann aber optisch im Titel unschön.
      Jetzt habe ich auf «GIN JEE» korrigiert.
      Danke für dein Input!

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